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Nicht „nur“ Fontane

Rehfelde, den 05.11.2018
(GS) „Ohne Fontane geht 2019 nichts“, so titelte die MOZ am 30. Oktober auf ihrer Kreisseite zum Erscheinen der 26. Ausgabe des Jahrbuchs Märkisch-Oderland. Berechtigterweise bildete der 200. Geburtstag von Theodor Fontane 2019 den thematischen Schwerpunkt des 111 Seiten umfassenden Heftes. Jedoch verweisen die insgesamt 30 Beiträge darauf, dass in Märkisch Oderland ein recht aktives Völkchen an Autoren existiert, die sich sehr unterschiedlichen interessanten Sachgebieten verschrieben haben.
Zu den Autoren gehören Dr. Erika und Gerhard Schwarz von der Geschichtswerkstatt Rehfelde. Ihr Aufsatz ist dem 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs im Lichte der Rehfelder Ortsgeschichte gewidmet. Er beleuchtet detailliert die Scheinüberfälle im deutsch-polnischen Grenzgebiet in Oberschlesien zwischen dem 31. August und 1. September 1939, unter anderem auf das Zollhaus Hochlinden bei Ratibor, das Forsthaus bei Pitschen und insbesondere den Überfall auf den deutschen Rundfunksender Gleiwitz.
Was sich in der Nacht vor Kriegsbeginn tatsächlich abgespielt hatte, erfuhr die Weltöffentlichkeit erst nach dem Krieg während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und weiterer juristischer Ermittlungen. Die angeblichen „polnischen Provokationen“ waren in Wirklichkeit das Werk der SS. Hitler hatte den Befehl gegeben, einen propagandistischen Anlass zur Auslösung des Krieges zu schaffen, gleichgültig, ob er glaubhaft sei oder nicht. Der Sieger werde – so seine Meinung - später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hätte.
Nach Beendigung der Scheinüberfälle legte die SS Leichen in polnischen Uniformen an den Tatorten ab. Wegen der „konservierten Leichen“, die nach den Anschlägen zurückgelassen werden sollten, erhielt die Maßnahme zur Tarnung die Bezeichnung „Aktion Konservendose“.
Als eine der „Konserven“ war der Rehfelder Kommunist Wilhelm Betke vorgesehen. Gemeinsam mit weiteren Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen hatte ihn die Gestapo für das Vorhaben ausgewählt. Nur zwei dieser Häftlinge überlebten, einer davon Wilhelm Betke. Offensichtlich waren sie nicht „gebraucht“ worden. Nach seinem Rücktransport in das KZ sperrte ihn die SS für acht Monate in Einzelhaft in den Zellenbau. Er sollte an einer Weitergabe von Informationen gehindert werden.
Im Herbst 1944 wurde Wilhelm Betke gemeinsam mit weiteren hunderten seiner Kameraden in die „SS-Sturmbrigade Dirlewanger“ – eine sogenannte Frontbewährungseinheit – rekrutiert. Nach einer kurzen Ausbildung in der Slowakei wurde seine Einheit kurzfristig an die ungarische Grenze verlegt. Am 12. Dezember 1944 lief Wilhelm Betke zur Roten Armee über.
Nach elf Jahren KZ-Haft, kurzem Fronteinsatz und anschließender russischer Kriegsgefangenschaft kehrte Wilhelm Betke Anfang September 1945 in seinen Heimatort Rehfelde zurück. Es war für ihn selbstverständlich, sich sofort am Wiederaufbau und der Neugestaltung des Dorfes zu beteiligen.
Aus Anlass des 60. Jahrestages des Überfalls auf Polen durch Nazi-Deutschland widmete die Gedenkstätte Sachsenhausen 1999 den in die „Aktion Konservendose“ involvierten Häftlingen des KZ Sachsenhausen, darunter Wilhelm Betke, eine Ausstellung unter dem Titel „Der Führer braucht einen Kriegsgrund“.
 
Der ausführliche Beitrag ist nachzulesen in „Jahrbuch 2019“, erhältlich für 8 € in allen Tourist-Informationen.
 
 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Nicht „nur“ Fontane