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     +++  Weihnachtsgrüße aus dem Fuchsbau  +++     
     +++  Lebensbejahende Senioren-Weihnacht  +++     
     +++  50. Rehfelder Information 2017  +++     
     +++  Gratulantenschar im Bürgersaal  +++     
     +++  Knirpse in der Bibliothek  +++     
     +++  Spaß und Spenden beim Lichterfest  +++     
 
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Und plötzlich waren sie weg

Rehfelde, den 09.10.2017

(HGH) Das Schicksal von jüdischen Zwangsarbeitern, die von Ende 1939 bis Ende Februar 1943 zur Erfüllung der Produktionsauflagen und zur Profiterzielung auf dem Rittergut Garzau ausgebeutet wurden, haben die Rehfelder Autoren Dr. Erika und Gerhard Schwarz erforscht und die Ergebnisse in ihrem neuen Buch „Das Rittergut Garzau und jüdische Zwangsarbeit“ vorgelegt.

Ihre wissenschaftlichen Studien führten über Fürstenwalde, Berlin, Zürich, London und Paris bis nach New York. Aus Archivdokumenten konnte die Adresse von noch lebenden Verwandten des Garzauer Zwangsarbeiters Werner Klopstock ermittelt werden. Seine Nichte, die heute in Paris lebende Gisèle Cailloux und ihr Mann Jean-Louis Cailloux waren bei der Buchvorstellung im Rehfelder Bürgersaal am vergangenen Donnerstag herzlich begrüßte Gäste.

Dr. Erika Schwarz dankte allen Sponsoren, die das Projekt ermöglicht haben und bedauerte gleichzeitig, dass die Gemeindevertretung Garzau-Garzin kein Interesse zeigte. Bei der Lesung von zwei Auszügen wurden das Rittergut mit dem Gutsherrn Hans von Rohrscheidt und das Leben der jüdischen Zwangsarbeiter erlebbar dargestellt.

Gisèle Cailloux dankte den Autoren für ihre Arbeit, die die Erinnerung an das Leben ihrer Familie wachhält. Sie verwies auf rechtsradikale Tendenzen in ihrer Heimat und sieht mit Sorge die Entwicklung in Deutschland. Mit dem Buch ist zur rechten Zeit eine Schrift entstanden, die viele Leute lesen mögen.

In einem Redebeitrag aus dem Publikum wurden die Darstellungen im Buch angezweifelt und darauf verwiesen, dass eine Anwesenheit von jüdischen Zwangsarbeitern auf dem Rittergut im Dorf nicht bekannt war. Dem entgegen steht die Erinnerung einer Garzauer Anwohnerin, die auf die Frage zur Verweildauer der Juden in Garzau den Autoren antwortete: „Und plötzlich waren sie weg“. Gerhard Schwarz entgegnete dem Redebeitrag, dass jegliche Darstellungen mit Archivquellen belegt und für jedermann somit nachprüfbar sind. Die Forschung führte auch bis an die an Grenze der psychischen Belastung der Autoren.

„Ein Kapitel Dorfgeschichte ist wieder lebendig geworden“ - darauf verwies Prof. Dr. med. Jürgen Reimann - der Initiator des Wiederaufbaus der Garzauer Feldsteinpyramide - und betonte, dass es wichtig ist, Geschichte zu bewahren, sie nicht zu verdrängen, auch wenn es für Zeitzeugen oftmals peinlich ist.

Die Autoren boten der Gemeinde Garzau-Garzin ihre Expertise an, diesem Geschichtskapitel an öffentlicher Stelle zu gedenken.

Das Buch ist im einschlägigen Buchhandel erhältlich und auch online beim Verlag Hentrich&Hentrich oder bei Amazon zu bestellen.

 

Bilder von der Veranstaltung --> hier