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Volkstrauertag 2019

Rehfelde, den 18.11.2019

(GS) Am vergangenen Sonntag trafen sich Rehfelder Bürger auf dem Friedhof, um anlässlich des Volkstrauertages der Opfer von Kriegen und Gewalt zu gedenken. Sie waren einer Initiative von Mitgliedern der Gemeindevertretung gefolgt. Unter den Teilnehmern befand sich Altbürgermeister Reiner Donath.

 

Nach Musikstück und Begrüßungsworten durch Klaus Emmerich, Vorsitzender der CDU-Fraktion, erinnerte Gerhard Schwarz, Fraktion DIE LINKE/Zukunft, an Schicksale deutscher Soldaten, insbesondere jener aus Rehfelde, Werder und Zinndorf, die Opfer des von Hitlerdeutschland ausgelösten 2. Weltkrieges wurden. Er verwies zugleich darauf, dass auch Soldaten der Roten Armee zeitweilig ihre letzte Ruhestätte auf der Gemarkung Rehfelde gefunden hatten. Sie waren in den Kämpfen zur Befreiung der drei Dörfer im April 1945 umgekommen. 

 

In seiner Ansprache führte er aus:

Am frühen Morgen des 1. September 1939 überfiel die Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Damit entfesselte Deutschland innerhalb von 25 Jahren zum 2. Mal einen Weltenbrand. Der Zweite Weltkrieg dauerte sechs Jahre. Er kostete mindestens 55 Millionen Menschenleben, davon 27 Mio. sowjetische. Er hinterließ 35 Millionen Kriegsversehrte und vernichtete unwiederbringliche materielle und kulturelle Werte. Sein territoriales Ausmaß, die Opfer an Soldaten, der Mord an Zivilpersonen, die brutale Ausbeutung und Vernichtung ganzer Völkerschaften übersteigen noch heute die menschliche Vorstellungskraft.

 

An diesem 1. September 1939 änderte sich - wie im gesamten Reich - der Alltag auch der Menschen in unseren drei Dörfern. Neben der Siegesfreude über die Besetzung Belgiens, der Niederlande, Luxemburgs und vor allem nach der Kapitulation Frankreichs wuchs allmählich die Sorge um die eingezogenen Väter, Ehemänner und Brüder. Denn spätestens seit dem 22. Juni 1941, als Hitlerdeutschland und seine Militärs die Sowjetunion überfielen, wendete sich das Blatt. Die sich häufenden Todesnachrichten mit der Meldung „Gefallen für Führer und Vaterland“ ließen nicht lange auf sich warten. Fast jede Familie war betroffen. Sie hießen Schenkmann, Faber, Appel, Henze, Lötz, Feuerherdt, Kläger, Langisch, Schallhorn usw. usw. In Rehfelde waren mehr als 117, in Werder über 10 und in Zinndorf mehr als 14 Opfer zu beklagen. Und auch nach Kriegsende suchten noch Todesmeldungen ihre Empfänger, die z. T. selbst durch das Geschehen in der Heimat umgekommen waren.

 

Wenn wir ihrer heute gedenken, so tun wir es vor einer Kriegsgräberstätte, die auf fast allen Friedhöfen zwischen Küstrin und Berlin zu finden sind. Die Grabsteine tragen – wie dieser hier vor uns - Namen von Soldaten, die in verschiedenen Teilen Deutschlands geboren wurden, in unterschiedlichen Wehrmachtseinheiten gedient hatten und z. T. 19-jährig als letzte Reserve der 9. Armee sinnlos in die sog. Oderschlacht geworfen wurden. 

 

Nach 80 Jahren ist das öffentliche Erinnern in Deutschland an den Zweiten Weltkrieg erstaunlich wenig präsent. Fast kann der Eindruck entstehen, dass nach der Rede Richard von Weizsäckers vor dem Deutschen Bundestag 1985, in der er das Ende des Krieges als Befreiung beschrieb, alles gesagt schien und das Thema nicht weiter behandelt werden müsste. Nein, wir lassen keine Schlussstrichmentalität aufkommen. Wir lassen nicht zu, dass das Geschehene durch das Begehen angenehmerer Ereignisse in Vergessenheit gerät. Es ist unsere Verantwortung, über die Ursachen des Völkermords aufzuklären.

 

Kriege sind weder ein Naturereignis noch das Werk höherer Wesen. Kriege haben ihren Ursprung im Denken und Handeln von Menschen, im Streben nach Durchsetzung eigener Interessen auf Kosten anderer. Es war das Verlangen nach Territorien, Naturreichtümern, Arbeitskräften, die Gier nach deutscher Weltmachtstellung, die die führenden wirtschaftlichen, politischen und militärischen Eliten Deutschlands am 1. September 1939 veranlassten, das eigene Land in den Zweiten Weltkrieg zu stürzen und nicht nur seine Nachbarn, sondern die ganze Welt mit in den Abgrund zu reißen. Doch im Gegensatz zu 1914, als die Soldaten freudig mit Blumen im Gewehrlauf den Schlachten entgegeneilten, musste in den 1930er Jahren der Großteil der Bevölkerung erst ideologisch und mental auf den Krieg eingestellt werden. Feindbilder wie das des französischen Erbfeindes oder des jüdischen Bolschewismus wurden konstruiert und in die Köpfe der Massen gepflanzt, um sie auf ihre Rolle als fügsame Vollstrecker vorzubereiten. Wer sich dem nicht beugte, für den wurden Konzentrationslager, Galgen und Folterkammern errichtet.

 

Doch lassen Sie uns auch jene Soldaten der Roten Armee nicht vergessen, die der Wehrmacht hier zwischen Küstrin und Berlin gegenüber standen und gemeinsam mit den westlichen Alliierten die Befreiung Deutschlands vollendeten. Heute wissen wir, dass sie auf ihrem verlustreichen Weg von Stalingrad bis in die Reichshauptstadt am 21. April 1945 hier in Rehfelde mehrere ihrer Kampfgefährten zeitweilig begraben mussten. Wenige Wochen später wurden deren sterblichen Überreste in eine der naheliegenden Sammelgräber in Müncheberg, Fürstenwalde oder Grünheide überführt. Auch ihrer gedenken wir an diesem heutigen Tag.

 

Foto: Volkstrauertag 2019